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Sprachenvielfalt | Das kyrillische Alphabet

Desislava Manolova bloggt zum Thema Kyrillisches Alphabet. Wie ihr vielleicht schon wisst, (mein Name sagt ja schon viel aus) bin ich eine gebürtige Bulgarin. Sobald man das erfährt, werden mir immer sogleich ein paar Fragen gestellt:

Konversation zwischen mir und einer Person:

P: Achsooo! Welche Sprache sprecht ihr da?

D: Wir sprechen Bulgarisch! Das ist eine slawische Sprache, besser gesagt eine Südslawische.

P: Achsooo! Das heißt, ihr schreibt AUCH auf Kyrillisch wie die Russen, oder?

(P.S. Bei so einer Frage muss ich immer tief ein- und ausatmen, um mich zu beruhigen. Dann lächele ich und erst dann folgt die Antwort!)

D: Wir schreiben nicht wie du Russen, sondern umgekehrt, die Russen schreiben wie wir! Denn Kyrillisch stammt eigentlich aus Bulgarien. Unsere sogenannten Apostel Kyrill und Method haben das Alphabet „Glagolica“ erfunden, das später verändert und nach Kyrill benannt wurde.

P: Ah, echt? Das wusste ich nicht. Ich dachte immer, dass das Alphabet aus Russland kommt.

D: Nein, aus Bulgarien.

Nach den „Pannonischen Legenden“ hat Kaiser Mihail III., der Taufpate des bulgarischen Fürsten Boris, die sprachlichen und diplomatischen Kenntnisse der Brüder Kyrill/Konstantin (er hat auf der Magnaura studiert) und Method für die Missionierung in Pannonien und Mähren gebraucht. Obwohl sie aus Griechenland stammten, waren sie dem Dialekt des Landes mächtig. Das Ziel ihrer Missionen war die Christianisierung. In der ersten Delegation wurden ca. 54.000 Slawen[2] getauft. Ein bestehendes Problem war aber der An-Alphabetismus der Bevölkerung. Laut „Über die Buchstaben“ von Černorizec Hrab’r hat Konstantin 855 das erste slawische Alphabet erfunden, die sog „Glagoliza“.

Abb1.[3][4]So wie die Buchstaben damals ausgesehen haben, merkt man dass sie sehr stark vom Griechischen beeinflusst wurden. Später wurde das kyrillische Alphabet erfunden. Das war das sogenannte Altkirchenslawisch, oder besser gesagt, das Altbulgarische. Durch die Schüler von Kyrill und Method, Kliment, Naum, Sava und Gorast wurde die Sprache dann im  Land weiterverbreitet.

Noch immer bestehen unter den Wissenschaftlern Diskussionen darüber, woher genau das Alphabet stammt. Als zukünftige Slawistin habe ich schon mit vielen über dieses Thema und die Frage nach der Wurzel gesprochen. Die Mehrheit vertritt die von mir hier dargestellte Ansicht.

[1] Das ist das bulgarische Alphabet mit der Transliteration. Transliteration bedeutet die Übertragung ins Lateinische. Wie sich die Buchstaben aussprechen bzw. schreiben. Die angegebene Transliteration ist die englische, nicht die wissenschaftliche. Die Information kommt aus http://www.referati.org/bylgarski-standart-za-klaviaturni-podredbi-na-ustroistvata-za-pisane-na-bylgarski-ezik/72739/ref/p2  Stand 01.11.16

[2] Oschlies, Wolf: Das europäische Alphabet Kyrilliza. 1100 Jahre Abenteuer einer Schrift; Wieser Verlag; Klagenfurt; 2015

[3] Abb 1. Das Bild stammt aus Pinterest https://www.pinterest.com/pin/465841155181046578/, Stand 01.11.16

[4] Abb 2. Das ist das heutige griechische Alphabet: http://cmyktastic.ch/typografie/stilkunde/index4658.html?page=2  Stand 01.11.16

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Josef Ladenhauf

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