Europeneedsyou-Bloggerin Elodie Arpa
Europeneedsyou-Bloggerin Elodie Arpa

Ich würde nicht gerne mit der EU tauschen

Ich wäre nicht gerne die EU. Wenn ich mit wem tauschen müsste, für einen Tag, für eine Woche oder ein langes Jahr Dann wäre ich Google. Denn Google weiß viel und speichert viel und löscht wenig richtig und zahlt richtig wenig – Steuern. Heute beschreibt Europeneedsyou-Bloggerin Elodie Arpa, warum sie nicht gerne die EU wäre, unter welchen Umständen sie aber doch einspringen und in den sauren Apfel beißen würde.

Wäre ich Google, dann wäre Tante Helga nicht länger das schwarze Schaf in der Familie. Denn sie tut ja keine schlimmen Dinge, so ist das nicht. Zumindest wissen wir nichts davon. Das Problem ist, dass sie schweigt, bei Familienfeiern. Sie erzählt nicht, spricht nicht. Gänzlich unbekannt ist sie mir. Wäre ich Google, wäre das natürlich anders. Wäre ich Google, dann könnte ich mit meiner Schwester „ich weiß ich weiß, was du nicht weißt“ spielen. Mit konstantem Startvorteil. 

Wenn ich mit wem tauschen müsste, für einen Tag, für eine Woche oder ein langes Jahr. Dann wäre ich gerne der teuerste angebissene Apfel dieser Welt. Und sollte mir dabei zu langweilig werden, hätte ich auch nichts dagegen mit den USA zu tauschen. Oder mit Nordkorea. Oder stellt euch vor, ich wäre beides zugleich! Und würde verrückte Streitgespräche führen. Mit Verrückten. Und mit dem verrücktesten Teil meiner selbst. „Wer drückt den roten Knopf?“, würde das Spiel dann heißen. Und alle Zeitungen würden mitspielen. Und Google, mein alter Freund, erst recht. Immer, immer würde es um mich. Nur um mich und mich und mich und mich gehen. Diese Vorstellung. Verrückt! Oder?

Wenn ich mit wem tauschen müsste, für einen Tag, für eine Woche oder ein langes Jahr. Ich wäre nicht gerne die EU. Immer wird man beschimpft, beschuldigt, selbst aus den innersten Kreisen heraus betrogen. Wo man auch nachhakt, als EU ist man nirgendwo beliebt. „Wozu braucht man die denn überhaupt, diese EU?“, fragt sich die österreichische Omama. „L’Union Européenne, pourquoi-faire?“, fragt sich der Biobauer aus Nordfrankreich. Und auch der irische Erasmus-Student weiß nicht recht: „Who needs the EU, anyway?“

Wenn ich mit wem tauschen müsste, für einen Tag, für eine Woche oder ein langes Jahr. Ich wäre nicht gerne die EU. Denn ich verstehe sie nicht. Wäre ich die EU, ich würde für immer unverstanden bleiben. Als zu komplex abgestempelt und anschließend als ewig Schuldiger in die Ecke der Problememacher gestellt werden. Den Grund meiner Existenz hätten alle bereits vergessen. Scheinbar grundlos bin ich nach dem zweiten Weltkrieg einfach aufgepoppt, würde man mir sagen, würde ich nach meinem Geburtstag fragen. 

Nein, die EU zu sein, ist wahrlich kein Zuckerschlecken. Denn wäre ich die EU, man würde mich nur von weitem mögen. Sobald ich sie hereinlasse, die Länder und Leute, in meinen innersten Kreis, haben sie ihre Anfangsversprechen nämlich längst wieder vergessen. Dann wird das Wort Union ausgeklammert und auch Europäisch heißt gar nichts mehr. Um eigenen Interessen und deren Vertretung geht es dann nur noch. Und gibt‘s ein Problem, dann gibt es ein Spiel, das man gerne spielt. Ein einziges Spielchen nur. Es heißt „suche den Sündenbock und prangere ihn an“. Und den Sündenbock, den finden sie immer im Nu. Es ist natürlich die EU! 

Ich wäre nicht gerne die EU. Wäre ich die EU, hätte ich nämlich längst Burn-out-Symptome, konstante Migräneanfälle und eine Halskrause aus Frust um meinen Nacken gespannt. Wäre ich die EU, ich hätte aufgehört an Solidarität zu glauben, hätte aufgegeben für ein Miteinander zu kämpfen, dessen Nutzen niemand sieht. Wäre ich die EU, ich würde regelmäßig in Wutausfälle ausbrechen, ich würde auf Lügen basierende Volksbefragungen gemeinsam mit dem einen oder anderen Politiker an die Wand werfen und brüllen: Ich wäre nicht gerne die EU !

Doch lieber wäre ich die EU, als dass es die EU nicht gäbe. Denn gäbe es die EU nicht, könnte ich der dritte Weltkrieg sein. Für einen Tag, für eine Woche oder ein langes Jahr. Ich könnte die Zersplitterung Europas darstellen, immense Armut, vermehrte Todesstrafen. Ich könnte für den Verlust der Pressefreiheit, für autokratische Systeme stehen und die uneingeschränkte Zerstörung unserer Umwelt. 

Denn immerhin ist es die EU, die in ihren Grundwerten einsteht, für freien Personenverkehr, gemeinsames Handeln, für Menschenrechte, für ethische Werte, für Bildung, Sprachen, Demokratie, für kulturelle Vielfalt und die Freiheit eines jeden. Wenn ich mit wem tauschen müsste, für einen Tag, für eine Woche oder ein langes Jahr. Ich wäre ja nicht gerne die EU. 

Doch lieber wäre ich ungern die EU, als dass es die EU gar nicht gäbe. Denn was ich, gäbe es keine EU, alles nicht mehr sein könnte, daran will ich gar nicht erst denken…

 

 

Entscheide selbst mit, wie sich Europa weiter entwickelt – am 26.5. 2019 bei der Wahl zum Europäischen Parlament!
Alle Infos dazu findest Du auf www.diesmalwaehleich.eu
Registrier Dich unter www.diesmalwaehleich.eu/join_the_team und erhalte aktuelle Veranstaltungen in Deiner Nähe und erfahre alles darüber wie Du Dich über die Wahl hinaus direkt einbringen kannst!
#diesmalwaehleich
#europeneedsyou

About the author

Josef Ladenhauf

View all posts

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *