Europeneedsyou-Bloggerin Elodie Arpa
Europeneedsyou-Bloggerin Elodie Arpa

Wie Europa zu seinem Namen kam

Es war einmal ein Mädchen. Und wie es sich für eine Sage gehört, war dieses Mädchen nicht nur wunderschön sondern auch von edelster Abstammung. Europeneedsyou-Bloggerin Elodie Arpa erzählt eine Geschichte, die viele noch nie gehört und manche bereits vergessen haben:

Der Vater des Mädchens war nämlich kein einfacher Mann, kein Bauer oder Handwerker. Der Vater des Mädchens war ein König. König von Phönizien.                                                   Nun geht es in unserer Geschichte aber nicht weiter um den Vater des Mädchens (auch wenn dieser ein mächtiger König war). Stattdessen wenden wir uns nun einem noch viel mächtigeren Mann zu: Zeus. Der Göttervater. Denn dieser spielt in unserer Sage – wo auch nicht? – eine ganz gewaltige Rolle.                                                                                                                          Zeus hatte sich nämlich in dieses Mädchen, von dem ich euch erzählt habe, verliebt. Und das, obwohl er verheiratet war, Kinder hatte und seine Ehefrau zu allem Übel äußerst eifersüchtig war. Doch schuld daran, dass er sich verliebt hatte, war Zeus nicht. Denn an dieser Stelle kam Eros ins Spiel. Eros, der Gott der Liebe, der Bogenschießen äußerst unterhaltsam fand, sich aber nicht sonderlich bravurös dabei anstellte, hatte daneben gezielt und Zeus mit einem seiner Liebespfeile getroffen.                                                                                                              Der Göttervater verliebte sich daraufhin in die (wie bereits erwähnt wunderschöne) Tochter des Königs von Phönizien. Oder der Einfachheit halber: In das Mädchen. Es war also einmal das Mädchen, von dessen Existenz wir nun wissen. Und dieses Mädchen spielte liebend gerne mit seinen Freundinnen auf den Weiden seines Vaters (der reich war und ein großes Anwesen besaß). Und es war einmal ein Tag an dem das Mädchen seinen alltäglichen Spielereien nachging, als Zeus plötzlich vor ihm auf der Weide erschien. Nicht in seiner normalen Gestalt natürlich, denn ansonsten hätte das Mädchen sich wohl vor ihm gefürchtet, sondern er hatte sich zuvor in einen Stier verwandelt. Zeus, nun also ein Stier, stand mitten auf der Weide des Königs von Phönizien, umringt von hunderten Kühe und anderem Vieh. Das Fell des Stiers war allerdings nicht schlammbraun, sondern – wie es sich für einen Gott gehörte – von goldener Farbe. So fiel es dem Mädchen auf und dieses ging nach kurzem Zögern zu dem Bullen und begann sein Fell zu streicheln. Da Zeus – der Stier! – sich dem Mädchen gegenüber freundlich verhielt, verlor es bald seine Scheu und stieg schließlich, durch Rufe seiner Freundinnen ermutigt, auf seinen Rücken auf. Und an eben dieser Stelle nimmt unsere Geschichte eine dramatische Wendung ein: Der Stier setzte sich, sobald das Mädchen den Boden unter den Füßen verloren hatte, in Bewegung. Er lief los, rannte über die Weide und durch das gesamte Königreich Phönizien! Das Mädchen schrie vor Angst und seine Freundinnen liefen dem Stier hinterher, doch sie verloren ihn bald aus dem Blickfeld. Der Bulle durchquerte mit dem verzweifelten Mädchen auf seinem Rücken das gesamte Land und als er schließlich zum Küstenrand kam, sprang er in die Fluten und schwamm mit der Tochter des Königs durch den Ozean.                                                         So vergingen mehrere Stunden und Tage, Tage und für das sich an das goldene Fell des Stiers krallende Mädchen gefühlte Wochen in denen es nichts als Wasser, Möwen und hohe Wellen sehen konnte. Doch es war einmal, kurz nach unserem ersten „es war einmal“, ein Tag, an dem das Mädchen in die Ferne schaute und Festland am Horizont erblickte. Und zu diesem brachte der Bulle es. Sobald die zwei aus dem Meer getaucht waren, stand das Mädchen jedoch keinem Stier mehr gegenüber, sondern dem mächtigsten aller Götter – Zeus hatte sich zurückverwandelt! Wie sich das Mädchen in dieser Situation verhalten hat, wissen wir nicht. Ob es sich jemals von dem traumatischen Erlebnis seiner Entführung erholen konnte, das wissen wir auch nicht. Und auf welche Weise der König von Phönizien um seine geraubte Tochter getrauert hat, kann ich euch leider auch nicht mitteilen – denn, wie bereits erwähnt, handelt es sich hierbei um eine Sage! Und in einer Sage tun solche Fragen nichts zur Sache.                                                                                                                            Wichtig ist nur zu wissen, dass unsere Geschichte Zeus und das Mädchen erfolgreich zusammenbrachte. Die beiden wurden Mann und Frau. Das Mädchen hatte übrigens, im Gegensatz zum unbekannten Festland, auf das es entführt wurde, auch einen Namen. Entschuldigt mich, ich habe vergessen ihn euch zu nennen! Die Tochter des Königs von Phönizien, das Mädchen: Es hieß Europa. Und da gab es diesen neuen Kontinent, auf dem es und Zeus sich mutterseelenallein befanden. Es war ein fremdes Festland. Namenslos, namensbenötigend. Wir dürfen annehmen, dass Zeus kein besonders einfallsreicher Gott gewesen ist. Vielleicht entbrannte er aber auch geradezu vor Liebe zu seiner neuen Ehefrau! Jedenfalls widmete er ihr das unbekannte Festland. Und so wurde der neu entdeckte Kontinent nach seiner Gemahlin benannt. Nach der Tochter des Königs von Phönizien. Nach dem Mädchen.                                                      

Und das, liebe Leser, ist das Ende dieser Sage. Doch diese Sage war erst der Anfang. Erst der Anfang Europas.

 

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Josef Ladenhauf

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