No to homophobia!
No to homophobia!

Ist Homosexualität eine Natürlichkeit?

Vorgestern, am 05. Juni 2018 ist etwas Spektakuläres für Europa und die Europäische Union passiert. Der Europäische Gerichtshof in Luxemburg hat einem Drittstaatsbürger, der mit einem EU-Bürger verheiratet war, ein Aufenthaltsrecht gewährt.[1] Wieso ist das so faszinierend, nachdem das Aufenthaltsrecht seit langem gilt? Es ist die Tatsache, dass das Pärchen homosexuell war.

Meines Erachtens ist Sexualität etwas Persönliches und man sollte weder danach fragen noch beurteilen. Im Vergleich zu den alten Studien aus dem 20. Jahrhundert[2], in welchen die Homosexualität als eine „Störung[3], eine „Wirkung einer Neurose, die aus den Einflüssen der Kindheit, der psychischen Entwicklung der ersten Jahre entstammt[4] vorgestellt wurde, in welchen sie „weder erbbedingt“[5] war noch ihre „Ursachen in der biologischen Konstitution des Individuums“ hatte[6], sind die Untersuchungen aus dem 21. Jahrhundert fortgeschritten und zeigen eine andere Realität.

Mathematiker und Biologen glauben, dass die Ursache der Homosexualität in der Genregulation liegt und in der Evolutionsbiologie geklärt ist.[7] Das bedeutet, dass die epigenetischen Faktoren gelegentlich zwischen Generationen weitergegeben werden können.[8] Das erklärt auch das Phänomen, dass in einigen Familien Homosexualität häufiger vorkommt.[9]

Eine Gruppe geschlechtsspezifischer epigenetischer Merkmale entsteht im frühen Stadium der fötalen Entwicklung. Diese Marker dienen dazu, den Fötus in späteren Phasen vor der starken natürlichen Schwankung des Geschlechtshormons Testosteron zu schützen.

Dank dieses Mechanismus’ erhält ein weiblicher Fötus selbst bei untypisch hohem Testosteronlevel keine männlichen Züge – das gilt umgekehrt für männliche Föten. Manche dieser epigenetischen Marker betreffen die Genitalien, andere die sexuelle Identität und wieder andere die Vorlieben hinsichtlich der Geschlechtspartner.[10]

Passiert es aber, dass diese geschlechtsspezifischen epigenetischen Merkmale von den Vätern an die Töchter und umgekehrt von den Müttern an die Söhne weitergegeben werden, kehrt ihr Effekt um: „Söhne erhalten einige weibliche Eigenschaften – beispielsweise die sexuelle Präferenz, Töchter erhalten männliche Eigenschaften.“[11]

Die Amerikaner William Rice und Sergey Gavrilets und der Schwede Urban Friberg beweisen, dass „Homosexualität wie Heterosexualität definitiv eine angeborene, biologisch fundierte und vollständig normale Variante des Begehrens [ist]. Ebenso wenig wie Heterosexuelle haben Homosexuelle die Wahl, auf welches Geschlecht sie ihr Verlangen richten.[12] Es ist eine Tatsache, dass man sich nicht selber die Vorlieben aussucht, sondern mit ihnen geboren wird.[13]Aber wieso kämpfen so viele Menschen dagegen an?

Es ist Zeit, dass man solche Sachen schon in der Schule erklärt bekommt, damit man auf diese Art und Weise die Homophobie bekämpft und ihr keine Chance gibt! Menschen des gleichen Geschlechts zu bevorzugen nennt man einfache Biologie. Der menschliche Körper ist genauso kompliziert wie die untermenschlichen Beziehungen. Es ist Zeit, dass man zur Vernunft kehrt und den Tatsachen ins Auge blickt. Ich weiß, dass das gegen viele religiöse Vorstellungen verstößt, aber die Bildung ist dafür da, dass man ungeklärte Sachen dechiffriert.

No to homophobia!

[1] Kommenda, Benedikt: „EuGH gibt homosexuellen Ehepartnern aus Drittstaaten ein Aufenthaltsrecht“, in „Die Presse“, online abrufbar unter: https://diepresse.com/home/recht/5441022/EuGH-gibt-homosexuellen-Ehepartnern-aus-Drittstaaten-ein , aus dem 05.06.18, Stand: 07.06.18

[2] Rattner, J.: “Das Problem der Homosexualität”, in Zeitschrift für Präventivmedizin, January 1964, Volume 1, Issue 160-66, online abrufbar unter: https://link-springer-com.uaccess.univie.ac.at/article/10.1007/BF02030380, Stand; 07.06.18

[3] Vgl. Rattner

[4] Vgl. Rattner

[5] Vgl. Rattner

[6] Vgl. Rattner

[7] Lohmann, Björn: „Forscher erklären Mysterium der Homosexualität“, in „Die Welt“, online abrufbar unter: https://www.welt.de/wissenschaft/article111946147/Forscher-erklaeren-Mysterium-der-Homosexualitaet.html , aus dem 11.12.12, Stand: 07.06.18

[8] Vgl. Lohmann

[9] Vgl. Lohmann

[10] Vgl. Lohmann

[11] Vgl. Lohmann

[12] Bahnsen, Ulrich: „Muttis Tunte, Papas Lesbe“, in „Die Zeit“, online abrufbar unter: https://www.zeit.de/2013/11/Homosexualitaet, aus dem 07.03.13; Stand: 07.06.18

[13] Mehr darüber auch unter: Voß, Henz-Jürgen: „Biologie & Homosexualität. Theorie und Anwendung im gesellschaftlichen Kontext“, UNRAST-Verlag; Münster; Februar 2013

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Desislava Manolova

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