Baumeister Fabian Znojemsky, Aquaponiker und Gründer von HATponics Europe (c) Ladenhauf 2018
Baumeister Fabian Znojemsky, Aquaponiker und Gründer von HATponics Europe (c) Ladenhauf 2018

Fisch aus dem Gemüsebeet

Der Gründer von HATponics Europe Fabian Znojemsky vereint seine Kenntnisse als Baumeister und Kulturtechniker, um neue Kreisläufe zu entwerfen.  „Aquaponik” setzt sich zusammen aus Aquakultur, der Fischzucht in Becken oder abgetrennten Bereichen eines natürlichen Gewässers, und Hydroponik, dem Anbau von Nutzpflanzen in einer Nährlösung ohne Boden. Dabei werden Fische in einem Wasserbecken gefüttert, sie produzieren durch ihre Ausscheidungen eine Nährlösung, diese Nährstoffe werden, nach bakterieller Umwandlung, durch das Wachstum der Nutzpflanzen dem Wasser entzogen. Sodann steht dieses saubere Wasser wieder den Fischen zur Verfügung. Im Interview mit Europe needs You erklärt Baumeister Znojemsky seine Vision.

Wie verlief Deine erste Begegnung mit der Aquaponik?

Znojemsky: Im meinem Studium der Kulturtechnik und Wasserwirtschaft ist das Wort Aquaponik interessanterweise nie gefallen. Erst nach dem Abschluss bin ich zufällig darauf gestoßen. Ich habe bald festgestellt, dass ich als Kulturtechniker unabhängig davon alle fachlichen Grundlagen dafür gelernt habe. Darauf hin hat eins das andere ergeben und im Sommer 2016 habe ich sozusagen meine Lehrzeit als Aquaponiker in den USA auf einer Aquaponik Farm bei HATponics absolviert. Ich habe dort in Georgia sogar neben der Farm auf einem Feld im Zelt gelebt und konnte so die Aquaponik tagtäglich hautnah verinnerlichen. Dort hab ich auch gespürt: Der Fluss im Leben ist meine Ding! Genauso fließend verlief die Entscheidung nach meinem Aufenthalt in den Vereinigten Staaten HATponics Europe aufzubauen.

Funktionieren des HATponics-Wasserkreislaufs schematisch
Funktionieren des HATponics-Wasserkreislaufs schematisch

Ist Aquaponik eine Erfindung moderner Kulturtechniker?

Znojemsky: Nein, Aquaponik ist eine uralte Methode Nährstoffe über Nutzpflanzen aus fischreichen Gewässern zu gewinnen. Bereits die Azteken haben diese Technik unter dem Namen „Chinampas“ angewandt. Wir haben diese Art der Wasserkreislauflandwirtschaft perfektioniert und einfach zu bedienende Module entwickelt, die sich für den Indoor oder Outdoor Betrieb für Betriebe, Schulen, öffentliche Einrichtungen oder den privaten Gebrauch individuell optimal planen und einstellen lassen. HATponics kommt von Hydro-, Aqua-, Terraponik, weil alle diese Elemente in diesem Prozess ihre Rolle haben und zusammenwirken. 

Welche Vorteile bietet eine Aquaponikanlage verglichen mit herkömmlicher Landwirtschaft?

Znojemsky: Aquaponik hat einen um etwa 90% geringeren Wasserverbrauch als herkömmliche Landwirtschaft. Zudem wird weit weniger Fläche verbraucht, da mit Aquaponik auch die Vertikale und insbesondere “unfruchtbare” Flächen benutzt werden können. Unser Ansatz zielt darauf ab, durch lokale Nahrungsmittelproduktion auch das Bildungssystem zu revolutionieren – denn als geschlossener und natürlicher Kreislauf hat Aquaponik das Potenzial neben frischem Fisch und Gemüse auch zahlreiche andere Outputs zu liefern, nämlich angewandtes, fächerübergreifendes Lernen in vielen klassischen Fächern des täglichen Unterrichts.  

HATponics Anlage in Betrieb
Betrieb einer HATponics portable farm in den USA, 2017

Ist Aquaponik auch für Vegetarier geeignet?

Znojemsky: Auf jeden Fall! Buntbarsche, afrikanische Raubwelse und Karpfenarten sind zwar Speisefische, müssen aber nicht verspeist werden. Stattdessen können auch Goldfische oder Kois als Zierfischbesatz gehalten werden. Es gibt sogar mobile Farmen. Hier im Bild sehen Sie zum Beispiel eine HATponics portable farm in Georgia, USA. Weitere Informationen zu solchen Farmmodellen finden Sie auf der Seite meiner amerikanischen Partner unter www.hatponics.com/hatponics-portable-farm.

Wieviele verschiedene Arten an Fischen und Pflanzen können in der Wasserkreislauflandwirtschaft von HATponics gedeihen?

Znojemsky: In einer reinen Aquaponik-Anlage, also dem geschlossenen Kreislauf mit Fischen und Pflanzen, ist aufgrund der verfügbaren Nährstoffpalette die Vielfalt der Pflanzen limitiert. Gut gedeihen hier zum Beispiel Blattsalate, Spinat, Mangold, Gurken, Paradeiser und Kräuter wie Minze oder Basilikum. In der Terraponik dagegen ist die gesamte Bandbreite von Mutter Natur zu hervorragendem Wachstum fähig, da der Boden mit all seinen natürlichen Eigenschaften, in den “Kreislauf” eingebunden wird. Bei den Fischen sind besonders die Haltungsbedingungen maßgebend, da Arten welche nährstoffreiches Wasser bevorzugen gewählt werden müssen.

Frische Kräuter, wie hier Minze und Basilikum, aber auch Rucola, und Nutzpflanzen wie Tomaten und Gurken wachsen auf den Fischbecken
Frische Kräuter, wie hier Minze und Basilikum, aber auch Rucola, und Nutzpflanzen wie Tomaten und Gurken wachsen in Aquaponik-Systemen.

Wie sind Deine Prognosen für die weitere Entwicklung der Aquaponik? Wie schnell wird diese Form lokaler, Low Input Wasserkreislauflandwirtschaft bekannt werden und wie breitentauglich ist sie?

Znojemsky: Die DIY-Community ist bereits jetzt sehr groß und wächst auch weiterhin schnell. Aquaponik mit HATponics stellt eine zukunftsweisende und nachhaltige Methode dar, Nahrung frisch und dezentral, klein strukturiert zu erzeugen und ohne Transportwege direkt zu konsumieren. Sie eignet sich insbesondere als Werkzeug für lebensnahen Unterricht, dies schafft Begeisterung für das Lernen im alltäglichen Unterricht und wie wir alle wissen lernt es sich durch Begeisterung noch viel nachhaltiger. Darum bauen wir derzeit eigene Schauräume in Niederösterreich. Hier können sich Besucherinnen und Besucher in Zukunft über die Vorteile einer eigenen Aquaponikanlage ein Bild machen, individuell beraten lassen und unser MINT-Camp besuchen. 2019 werden wir auch Fortbildungen für Lehrerinnen und Lehrer an der pädagogischen Hochschule anbieten, um die Aquaponik als Tool für angewandten und übergreifenden Unterricht weiter zu verbreiten.

Besuche auch unsere Webseite: www.hatponics.eu

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Josef Ladenhauf

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